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Schielen (Strabismus)

Schielen (lat. Strabismus) ist eine fehlerhafte Koordination der Augen. Sie schauen dabei nicht in die gleiche Richtung. Dadurch werden Doppelbilder wahrgenommen.

Symptome, Erscheinungsbild, Ursache des Schielens

Jeder Mensch sieht mit seinen Augen zwei minimal voneinander abweichende Bilder, die im Gehirn zu einem übereinstimmenden, dreidimensionalen Bildeindruck zusammengesetzt werden. Unterscheiden sich die Sehachsen und damit die wahrgenommenen Bilder aufgrund einer Fehlstellung eines oder beider Augen durch Schielen zu stark, kann die Differenz nicht mehr kompensiert werden – man sieht Doppelbilder. Beim Schielen kann zumeist ein Auge korrekt den anvisierten Punkt fixieren, während das andere – schielende – Auge davon abweicht. Die Sehachsen sind nicht auf denselben Punkt ausgerichtet.

Auftreten und Formen des Schielens

Schielen tritt oft im frühen Kindesalter auf, da das kindliche Gehirn die Sinneseindrücke beider Augen bis etwa zum 6. Lebensjahr noch nicht korrekt verarbeiten kann. Nicht immer ist kindliches Schielen an einer Fehlstellung eines oder beider Augen erkennbar. Wird das Kind nicht korrigierend unterstützt, werden die Sinnessignale des schielenden Auges unterdrückt. Unbehandelt kann das schielende Auge daher zeitlebens schwachsichtig (amblyop) bleiben. Da keine dreidimensionalen Bilder entstehen, sind Betroffene verstärkt unfallgefährdet, außerdem können später bestimmte Berufe nicht ausgeübt werden.

Außer einer auffälligen Fehlstellung eines oder beider Augen deuten vor allem bei Kindern folgende Symptome auf beginnendes oder ausgeprägtes Schielen hin:

  • Lichtempfindlichkeit der Augen
  • Tränenfluss
  • Zukneifen der Augen
  • Verstimmung, Reizbarkeit
  • (chronische) Entzündung des Lidrandes
  • Schiefhaltung des Kopfes
  • ungeschickte Bewegungen

Da frühkindliches oder kindliches Schielen zumeist sehr gut therapierbar ist, sollte die Behandlung so frühzeitig wie möglich erfolgen, um eine dauerhafte Schädigung des schielenden Auges zu vermeiden. Tritt eines der genannten Symptome auf, ist eine augenärztliche Untersuchung also dringend geboten.

Schielen tritt bei vier bis fünf Prozent aller Menschen auf. Es kann verschiedene Formen bzw. Ursachen haben:

  • Begleitschielen (Strabismus concomitans)

Begleitschielen ist das im Kleinkind- oder Kindesalter zu beobachtende Schielen, bei dem die Sehachsen der Augen nicht auf denselben Punkt ausgerichtet sind. Da bei Kindern die Sehentwicklung noch nicht abgeschlossen ist, kann sich leicht eine Schwachsichtigkeit entwickeln. Dauerhafte Schädigungen können durch rechtzeitige Therapie verhindert werden. Begleitschielen wird oft im Zusammenhang mit Weit- oder Kurzsichtigkeit diagnostiziert.

  • Latentes Schielen (Winkelfehlsichtigkeit, Heterophorie)

Latentes Schielen ist Folge einer Störung des Augenmuskelgleichgewichts. Sie führt zu minimal verschobenen Bildwahrnehmungen, die das Gehirn jedoch ausgleicht. Normalerweise wird eine Heterophorie nicht wahrgenommen. Sie manifestiert sich erst unter bestimmten Bedingungen wie

  • Ermüdung (etwa bei langen Autofahrten)
  • Stress
  • Alkoholkonsum
  • Begleiterscheinung allgemeiner Erkrankungen

und zeigt sich durch Doppelbilder, verschwommene Wahrnehmung, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Leseunlust.

  • Lähmungsschielen (paralytisches Schielen, Strabismus paralyticus)

Paralytisches Schielen ist eine Augenfehlstellung als Folge eines akuten Ausfalls eines oder mehrerer Augenmuskeln und tritt vor allem bei Erwachsenen auf. Durch den Muskelausfall kann sich das betroffene Auge nicht mit dem Partnerauge synchron bewegen. Der Winkel des Schielens ändert sich analog der Blickrichtung. Bei derartigen Vorfällen halten die Betroffenen den Kopf zur Entlastung des Augenmuskels unbewusst schief, außerdem sehen sie Doppelbilder und leiden an gestörter Orientierung.

Paralytisches Schielen kann unterschiedliche Ursachen haben:

  • neuronale oder mechanische Schädigung des Hirnnervs
  • mangelnde Durchblutung
  • Entzündungen
  • Muskelerkrankungen

Therapie und Behandlungsmöglichkeiten des Schielens

Ziel der Therapie ist, beiden Augen zur vollen Sehschärfe und dreidimensionalem Sehen zu verhelfen. Nach genauer Ermittlung der Ursache für das Schielen kommt zumeist eine von drei gängigen Behandlungsmöglichkeiten in Frage:

  • Verordnung einer Brille, wenn die Ursache des Schielens in der Fehlsichtigkeit eines der beiden Augen liegt
  • Okklusionstherapie, bei der im Wechsel eines der beiden Augen abgedeckt wird, um das jeweils andere Auge zu stärken
  • einfache Operation der Augenmuskeln zur Korrektur bei gravierender Augenfehlstellung

Sehr bewährt hat sich der Besuch einer Sehschule, in der sich speziell ausgebildete Orthoptisten therapeutisch um die Sehschwächen der Kinder kümmern.

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